In Philadelphia traf sich die Elite der Positiven Psychologen. Ihr Ziel: Menschen zu einem erfüllten Leben verhelfen.
Es regnet in Strömen an diesem Donnerstag Ende Juni vor dem „Sheraton City Center Hotel“ in Philadelphia, einem Beton-Ungetüm aus den 80er-Jahren. Im Nordosten der USA schüttet es seit Anfang des Monats. 15 von 19 Tagen waren bis dato nass. Baseball-Spiele, Open-Air-Konzerte unddas Planschen im Pool des gemieteten Sommerhäuschens fallen buchstäblich ins Wasser. Und den sonst so gut gelaunten Amerikanern schlägt das Sauwetter dermaßen aufs Gemüt, dass sich die „New York Times“ gar bemüßigt fühlte, vor Ausbrüchen von „rain rage“ – Wetter-Wut – zu warnen.
Von Zorn, Rage oder gar einem Anflug von Depression ist in den Tagungsräumen des „Sheraton-Hotels“ allerdings nichts zu spüren. Kollektiv kommt man zur Ansicht, das viele Nass habe auch seine guten Seiten. „Die Natur ist so grün wie nie zuvor“, schwärmt eine Frau, Mitte 50 und in schickem Angelina-Jolie-Maxikleid, „mein Garten gleicht einem subtropischen Dschungel.“ Der Mann neben ihr lächelt zustimmend.
Negative Gefühle sind ganz oft eben pure Ansichtssache. Davon sind jedenfalls viele der 1500 Psychologen, Psychiater, Ökonomen, Lehrer, Coaches und Berater überzeugt, die sich hier zum 1. Weltkongress der Positiven Psychologie versammeln. Dennoch waren die Tagungsräume beim Gipfeltreffen der Glücklichmacher nicht mit quietschgelben Smileys tapeziert, auch per purer Willenskraft über heiße Kohlen gelaufen ist niemand, ebenso wenig wie man sich während der Workshops an den Händen gehalten und gemeinsam Glücksformeln (Yes, we can, anyone?) gechantet hat. Im Gegenteil: Es wurden so viele Zahlen, Formeln, Modelle und Statistiken herumgereicht sowie neueste Forschungsergebnisse präsentiert, dass selbst den optimistischsten Teilnehmern die Köpfe brummten.
Hilfestellung für ein erfülltes Leben
Die Positive Psychologie ist schließlich eine wissenschaftlich fundierte Fachrichtung, die in Deutschland unter dem etwas unglücklichen Begriff Glücksforschung firmiert. Sie konzentriert sich auf die Stärken, Tugenden und Ressourcen der Menschen und nicht, wie die herkömmliche Forschung, auf Neurosen oder Depressionen. Ihr Ziel: den Menschen zu einem wirklich erfüllten Leben zu verhelfen.
„Psychische Gesundheit ist nicht nur das Fehlen von psychischen Krankheiten“, erklärt Dr. Martin Seligman, Galionsfigur der Branche und Autor des Bestsellers „Der Glücks-Faktor“ – der keinen passenderen Namen tragen könnte -, „sondern das Vorhandensein anderer Dinge, insbesondere positiver Emotionen.“ Seligman & Co. wollen Menschen also nicht nur helfen, von „minus acht auf null“ auf der Befindlichkeitsskala zu kommen, sondern „von plus zwei auf plus fünf“.
Doch wozu braucht man gute Gefühle? Wie bekommt man sie? Und sind sie nicht fürchterlich flüchtig, wenn man denn welche hat? Kann man zu viel davon kriegen? Haben negative Gefühle nicht auch ihre Berechtigung? Welchen Einfluss haben äußere Faktoren wie Geld, Freunde, Kinder, Gesundheit – oder gar das Wetter? Und: Ist das nicht alles pseudowissenschaftlicher Hokuspokus?
Professorin Barbara Fredrickson von der University of North Carolina schüttelt milde lächelnd den Kopf. Sie ist die weltweit führende Wissenschaftlerin in Sachen gute Gefühle. Der bekennende „Statistik-Junkie“ erforscht nun schon seit fast 20 Jahren die Macht der Positivität und konnte nun wissenschaftlich belegen, was Aristoteles („Glück ist das höchste Gut“) oder Buddha („Es gibt keinen Weg zum Glücklichsein. Glücklichsein ist der Weg“) schon immer wussten: „Die Menge an positiven Gefühlen, die ein Mensch hat, steht in direktem Zusammenhang damit, ob er im Leben aufblüht oder nur dahindümpelt.“ Menschen haben zudem wesentlich mehr Kontrolle über ihre Gefühle, als sie zu glauben wagen. „Emotionen sind nicht unkontrollierbar wie das Wetter“, sagt Fredrickson. „Sie hängen auch nicht primär von den Umständen ab, sondern davon, wie wir diese interpretieren.“
Die zurückhaltende Frau mit dem Zahlen-Faible hat gar einen Glücks-quotienten errechnet und den sogenannten Tipping-Point ausgemacht, der Menschen in die Lager der Gedeihenden (im Fachjargon „flourishing“) oder Dahindümpelnden („languishing“) einteilt: „3:1“, sagt Fredrickson. „Auf jedes schlechte Gefühl sollten mindestens drei gute kommen.“ 6:1 gilt übrigens als ideal, insbesondere in Beziehungen (siehe Test S. 81).
Da der Durchschnittsmensch aber mit einem Quotienten von 2:1 lebt, gilt es, diesen zu steigern. „Fechten Sie grundlos negative Gefühle an wie ein Anwalt vor Gericht. Analysieren Sie die Fakten“, rät Fredrickson. „Nur weil Sie etwa beim Schreiben Ihres Buches ein paar Kapitel hinter Plan sind, heißt das zum Beispiel noch lange nicht, dass das Buch nie erscheinen und der Verlag Sie verklagen wird. Finden und vermeiden Sie Ihre Negativitäts-Tretminen. Hören Sie auf zu grübeln. Nutzen Sie gezielt Ihre Stärken. Fördern Sie Freundschaften und Beziehungen – gute Gefühle sind kein Solo-projekt“, fährt die Professorin fort.
Optimisten leben gesünder und länger
Gute Gefühle haben zusätzlich noch einen messbaren Erholungseffekt, hat Fredrickson außerdem beweisen können. Bei Probanden mit hohem Lampenfieber wurden nach einem öffentlichen Auftritt gezielt positive beziehungsweise negative Emotionen erzeugt. Denjenigen mit den guten Gefühlen ging es auch physisch sofort wieder besser: Puls und Blutdruck sanken schneller auf Normalwerte zurück, Venen und Arterien erweiterten sich fixer, nachdem sie sich durch den Stress zusammengezogen hatten. „Wir gehen mittlerweile sogar davon aus, dass Positivität wie eine Rückstelltaste in den Originalzu-stand funktioniert“, meint Fredrickson.
Überhaupt steigern positive Emotionen bewiesenermaßen die Allgemeingesundheit. Wissenschaftler an der Carnegie Mellon University wollten herausfinden, ob Optimisten, wie es landläufig so heißt, tatsächlich weniger krank werden. Sie isolierten also eine Gruppe von Probanden auf einer Hoteletage in Pennsylvania und infizierten die Freiwilligen mit einem Grippe-Virus. Mediziner checkten täglich den Gesundheitsstatus der Testpersonen, insbesondere die Zusammensetzung der Nasenschleimhaut, und kamen zu dem Ergebnis, dass die optimistischen Probanden nicht nur später, sondern auch weniger schlimm erkrankten.
Eine Studie der University of Kentucky, an welcher 180 Ordensschwestern teilnahmen, ergab gar, dass Positivität auch einen erheblichen Einfluss auf die Lebensdauer eines Menschen hat: Glückliche Nonnen lebten durchschnittlich zehn Jahre länger als ihre weniger optimistischen Ordensschwestern. „Nicht gerade jeder von uns führt ein vorbildliches Nonnen-Leben, ohne Alkohol, Zigaretten oder Promiskuität“, relativiert Fredricksons Kollege Professor Ed Diener, einer der weiteren Gründerväter der Positiven Psychologie, lachend. „Glückliche Normalmenschen leben aber auf Grund ihres stärkeren Immun- und Herz-Kreislauf-Systems immerhin durch-schnittlich fünf Jahre länger.“
Negative Gefühle haben aber durchaus auch ihre Daseinsberechtigung, gibt Professor Julie Norem vom Wellesly College im US-Bundesstaat Massachusetts und Autorin von „Die positive Kraft negativen Denkens“ ob der vermeintlichen Einseitigkeit der Positiven Psychologie zu bedenken. Die Expertin hat jahrelang den sogenannten Defensiven Pessimismus erforscht. „Speziell ängstlichen Menschen hilft es ungemein, sich die schlimmstmöglichen Szenarien einer Situation auszudenken.“
„Natürlich soll niemand breit grinsend auf dem Grab seiner soeben verstorbenen Mutter tanzen“, lenkt auch Professor Diener ein. „Negative Affekte wie Trauer oder Wut, wenn einem Unrecht widerfahren ist, sind absolut notwendig.“ Sie sollten nur nicht zum chronischen Problem werden.
Diener erinnert sich an eine Talk-Runde mit dem Dalai Lama:
Ed Diener: „Kann es auch einmal schlecht sein, wenn man glücklich ist?“
Dalai Lama: „Man kann durchaus dumm-glücklich sein.“
Ed Diener: „Und wie geht das, bitte?“
Dalai Lama: „Wenn man zum Beispiel vor einem hungrigen Bären davonläuft und dennoch lacht. Das ist dumm-glücklich.“
Wohlstand ist nicht gleich Wohlbefinden
Ein Mann, der die Macht der Emotionen längst erkannt hat, ist der ehemalige Berater von Tony Blair, Lord Richard Layard. Der emeritierte Wirtschaftsprofessor der London School of Economics und Autor („Die glückliche Gesellschaft“) ist einer der Stargäste des Weltkongresses. Er ist zwar schon 75 Jahre alt und hat als Computer-Novize Probleme mit seiner Power-Point-Präsentation, doch eigentlich steht er für die Zukunft. Layards These lautet: Wohlstand ist nicht gleich Wohlbefinden. Und so fordert er ganz utilitaristisch, dass es das gesellschaftspolitische Ziel einer jeden Regierung sein müsse, „das größte Glück der größten Zahl zu erreichen“.
Er gründet seine Forderung auf diverse wissenschaftliche Studien, die belegen, dass wohlhabendere Menschen zwar insgesamt glücklicher sind als Arme, die westlichen Nationen aber trotz eines steilen Anstiegs der Bruttoinlandsprodukte in den vergangenen 50 Jahren auf einem „Zufriedenheitsplateau“ dahindümpelten. Der Lord hatte Tony Blair die Einführung eines „Happiness-Index“ vorgeschlagen. Erstaunlicherweise fand er damals einen Mitstreiter in Blairs konservativem Kontrahenten David Cameron, der kühn forderte: „Politik darf sich nicht länger an der Steigerung des Bruttoinlandsprodukts orientieren, sondern an der Erhöhung des Bruttowohl-befindens.“
POSITIVE PSYCHOLOGIE
Forschungsrichtung, die die Erhöhung menschlichen Glücks zum Ziel hat.
* Die Theorie:
Wer lieber auf seine Stärken setzt, statt an seinen Schwachstellen herumzudoktern, lebt beruflich wie privat ein glücklicheres Leben.
* Die Schlüsselkriterien:
Es gibt deren drei, von denen menschliches Glück abhängt: Enga-gement, Lebenssinn und Hedonismus. Am glücklichsten sind demnach Menschen, die ein aktives Leben führen, einen höheren Sinn in ihrem Dasein finden und ihre Lebens-freude pflegen.
* Die Grundtugenden:
Außerdem machten sie sechs Tugenden aus, die weltweit hoch geschätzt werden: Weisheit, Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung, Transzendenz. Ihnen ordneten sie 24 Charakterstärken zu, die alle glücksfördernd sind. Zur Menschlichkeit gehören u.a. Bindungsfähig-keit, soziale Intelligenz, Fairness.
* Der Selbsttest:
Im Internet unter http://www.charakterstaerken.focus.de/fragebogen
Das südasiatische Königreich Bhutan ist schon so weit. 2008 wurde dort die jährliche Messung des Bruttonationalglücks eingeführt. Eine erste Umfragehat ergeben, dass 68 Prozent der Befragten glücklich sind.
Entgegen der landläufigen Meinung gelten weder Intelligenzquotient, Bildung, Wetter oder Reichtum als Indikatoren für ein glückliches Leben, wie unzählige Studien belegen. Was zählt sind Familie, sicheres Einkommen, ein sicherer Arbeitsplatz, Gemeinschaft/Freunde und Gesundheit sowie persönliche Freiheit und persönliche Werte. Den Arbeitsplatz zu verlieren ist demnach genauso fatal für den Gemütszustand wie eine Scheidung.
„Weil ein glücklicher Gemütszustand im Alter von 20 Jahren der beste Indikator dafür ist, ob jemand später ein erfülltes Leben führen wird, ist in Großbritannien an 22 Pilotschulen das Fach „Life-Skills“ für 2000 Elf- bis 16-Jährige eingeführt worden“, berichtet Lord Layard. Mit dem United Kingdom Resilience Programme (UKRP) soll unter anderem die Epidemie der Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Störungen unter Schülern eingedämmt werden. Deren Zahl hat sich in England in den vergangenen 25 Jahren verdoppelt, die Selbstmordrate unter Jugendlichen stieg gar um das Vierfache. In den UKRP-Workshops werden optimistisches Denken, Problemlösungsmethoden sowie Resilienz – die Widerstandskraft, Frustrationen zu überwinden und sich von Rückschlägen rasch zu erholen – gelehrt. (In Deutschland wird unter anderem an der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg das Fach Glück und an der Hauptschule Weinbergstraße in Neumarkt das Fach Erwachsenwerden unterrichtet.)
Glück als Unterrichtsfach
„Es geht nicht darum, Kinder zu perfektionieren“, sagt Layards Mitstreiter Ian Morris, Direktor für Philosophie und Religion am Wellington College in der Nähe von London und Berater des Projekts, „sondern darum, goldene Samen zu sähen, die später von allein aufblühen.“ Mit Hilfe von insgesamt 17 Studien sei wiederholt bewiesen worden, sekundiert Layards andere Mitstreiterin, Dr. Karen Reivich von der University of Pennsylvania, dass Positive Bildung, wie der Unterricht in Lebenskunde auch genannt wird, die Widerstandsfähigkeit von Kindern steigert, Depressionen und Angstphobien um bis zu 50 Prozent eindämmt, es weniger Verhaltensauffälligkeiten in Klassenzimmern gibt und Schüler generell bessere Noten erzielen.
Was die Engländer gerade einführen, wird in Down Under, im australischen Corio (Bundesstaat Victoria), bereits seit zwei Jahren vorgelebt. Am Elite-Internat Geelong Grammar School, das ein bisschen an Harry Potters Hogwarts erinnert und so berühmte Schüler wie Prinz Charles und Medienmogul Rupert Murdoch hervorbrachte, wird nach den Prinzipien der Positiven Psychologie gelehrt, gelernt – und gelebt.
„Ausschließlich auf akademische Inhalte zu setzen ist eine sehr einseitige Art, Kinder zu erziehen. Finden Sie nicht?“, fragt Dr. Mathew White, Geelongs Direktor für Positive Erziehung, dessen Workshop in Philadelphia so viele Teilnehmer angezogen hat, dass eifrig mitschreibende Zuhörer auf dem Boden sitzen müssen. „Also haben wir Lehrer, Eltern und – Schock! Horror! – die Schüler gefragt, wie eine ideale Schule aussehen müsste.“ Interessant sollte sie sein, kam dabei heraus, lebhaft, kreativ, reflektierend, schülerzentriert, praktisch orientiert, inspirierend – und, in den Worten eines 13-Jährigen, „der Mühe wert“.
So wurden die sieben Schwerpunktbereiche des Wohlbefindens bestimmt, die Schüler (sowie Lehrer und Eltern!) gedeihen lassen sollen:
* Emotionen,
* Dankbarkeit,
* Optimismus,
* Kreativität,
* Selbstvertrauen,
* Widerstandsfähigkeit,
* Achtsamkeit.
Vom Direktor über die Lehrer bis zum Hausmeister und Platzwart wurden alle zur Weiterbildung in Sachen Positiver Erziehung geschickt. „Damit die ganze Schule die gleiche Sprache spricht“, betont White. Gute Lehrer hätten diese Prinzipien aber ganz instinktiv schon immer in ihren Unterricht eingebaut, weiß White, der selbst Englisch und Französisch gibt, „deshalb sind sie Lehrer geworden und nicht Rechtsanwälte“.
Der Schlüsselfaktor für alle Beteiligten sei aber immer die empirisch belegte, wissenschaftliche Grundlage gewesen, dass Positive Bildung echte Resultate bringe – „und nicht nur der letzte Schrei aus der Selbsthilfe-Literatur“ ist.
Glückliche Menschen verdienen später im Leben denn auch durchschnittlich ein Drittel mehr als Miesmuffel, ergab eine Studie mit College-Studenten, deren Daten 14 Jahre später noch einmal überprüft wurden. Deshalb macht sich der Deutsche Michael Frese, Professor für Arbeitspsychologie an der Universität Gießen, seit Längerem Gedanken über Positive Psychologie im Job. Lediglich ein Drittel aller Arbeitnehmer hat einen Beruf, der ihren Stärken entspricht. Dabei steht aus 30 Jahren Gallup-Umfragen fest, dass die erfolgreichsten Unternehmen Angestellte haben, die das tun dürfen, worin sie wirklich gut sind.
Um zukünftige Manager auf diesem Gebiet besser zu schulen, bieten diverse US-Unis, darunter die Business School der University of Michigan, mittlerweile MBA-Abschlüsse in Positiver Organisation an.
Positive Gefühle als Willenssache
„Zufriedene Arbeitnehmer haben generell einen hohen Einfluss auf die Arbeit, die sie im Einzelnen tun“, sagt Frese. „Sie bekommen zwar Ziele vorgegeben, aber nicht, wie sie diese zu erreichen haben.“ Komplexe Tätigkeiten fördern das Wohlbefinden – und somit die Leistung von Arbeitnehmern -, genauso wie bedeutungsvolle Jobs. Eigeninitiative ist außerdem einer der besten Indikatoren für beruflichen Erfolg, sagt der Professor mit den vor Begeisterung leuchtenden Augen. „Dem Arbeitnehmer muss klar sein, dass er selbst verantwortlich ist für sein eigenes Glück. Ich kann nicht erwarten, dass mein Unternehmen mich beglückt, sondern muss mich proaktiv auf Veränderungen und Strukturwandel einstellen.“
Zum Abschluss ihres Kongresses in Philadelphia haben sich die Positiven Psychologen für 2051 ein hehres Ziel gesetzt. 51 Prozent der Weltbevölkerung sollen dann idealerweise emotional gedeihen statt lediglich dahinzudümpeln, wünscht sich Professor Martin Seligman. Die Amerikaner haben das „Streben nach Glück“ („pursuit of happiness“) ja bereits in ihrer Unabhängigkeitserklärung verankert. Auch Abraham Lincoln wusste schon, dass die meisten Menschen „so glücklich sind, wie sie es sein wollen“.
Positive Gefühle sind ganz oft eben pure Willenssache. Wie in der Anekdote, die Professorin Barbara Fredrickson, die Expertin der guten Gefühle, gern preisgibt. Ein alter Cherokee-Häuptling erzählt eines Abends seinem Enkel eine Legende. Er sagt: „Mein Sohn, der Kampf zwischen zwei Wölfen tobt in jedem von uns. Einer ist böse. Er ist Ärger, Neid, Eifersucht, Sorge, Bedauern, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Schuld, Missgunst, Minderwertigkeit, Lügen, falscher Stolz und Egoismus. Der andere ist gut. Er ist Freude, Frieden, Liebe, Hoffnung, Gelassenheit, Demut, Güte, Wohlwollen, Mitgefühl, Großzügigkeit, Wahrheit und Glaube.“ Der Enkel dachte eine Minute darüber nach und fragte seinen Großvater dann: „Und welcher Wolf gewinnt?“ Der alte Cherokee antwortete: „Der, den du fütterst.“