Fritz Perls

Fritz Perls (1893-1970) war eine faszinierende Persönlichkeit. »Halb Prophet und halb Landstreicher« nannte ihn seine Frau Laura; Perls fand diese Beschreibung passend und war stolz darauf. Er wird als Begründer einer neuen Therapieform, der von ihm so benannten »Gestalttherapie«, bezeichnet. Er selbst wollte sich nicht so sehen, sondern eher als »Entdecker oder Wiederentdecker«, denn: »Gestalt ist so alt wie die Welt«. Zurecht sieht Fritz Perls seinen Verdienst darin, alte Weisheiten, die schon lange vor ihm in verschiedenen kulturellen Traditionen und Religionen (z.B. in der Bibel und im Zen-Buddhismus) existierten, für die Psychotherapie neu entdeckt zu haben.

Er hat sie mit den neuen philosophischen Strömungen der Phänomenologie und des Existentialismus, mit Erkenntnissen der Psychoanalyse und der Gestaltpsychologie verbunden und diese verschiedenen Ansätze, Konzepte und Ideen in einem aufregenden, lebenslangen persönlichen Entwicklungsprozeß zu einer damals völlig neuen Form von Psychotherapie integriert - der seiner Meinung nach ersten wirksamen Form von Psychotherapie überhaupt.

Nach unserer Kenntnis seiner Biographie machte Perls die »wesentlichsten Entdeckungen seines Lebens«, mit der er seine Genialität und die Überlegenheit der Gestalttherapie gegenüber anderen Therapieformen begründete, in einem intensiven persönlichen Prozeß zwischen 1961 und 1964, in dem er die tödliche Bedrohung durch seine Herzkrankheit überwand und sich dabei völlig veränderte. Dadurch änderten sich auch sein Verständnis von Neurose und Therapie und seine Art, mit Klientinnen und Klienten zu arbeiten, noch einmal entscheidend - zwölf Jahre, nachdem er 1951 den Begriff »Gestalttherapie« geprägt hatte, und sechs Jahre vor seinem Tod.

Abgebildet ist Fritz Perls bei seinem letzten Seminar im Februar 1970. In der Hand hält er die Puppe "Little Fritz" - sie bildete Teil eines seiner Formate.